Das war für mich eine der bewegendsten, schwierigsten und schlimmsten Wochen in meinem Leben. Da hast du aus deiner eigenen Erfahrung mittlerweile Bekanntschaft mit nahezu allen medizinischen Fachrichtungen gemacht, um dich plötzlich als Begleitung deiner Mutter vor einem Praxisschild wiederzufinden, das du am liebsten nie zu Gesicht bekommen hättest. Ein ungutes Gefühl hatten wir beide, atmeten fast synchron tief durch. Glücklicherweise ist die zuständige Ärztin der Hämatologie und Onkologie überaus kompetent und feinfühlig. So wurde auch die Nachricht einer verschärften Diagnose, welche ihr und mir den Boden unter den Füßen wegzog, weil wir von einem Augenblick zum nächsten ganz unmittelbar, brutal und erbarmungslos mit der Endlichkeit konfrontiert wurden, um nicht genau zu wissen, wie quälend sich der Kreuweg gestaltet, mit einer hoffnungsvollen Anmerkung versehen. Dass die völlige Symptomlosigkeit einer 75-jährigen Frau und das frühe Stadium des Erkennens insgesamt für einen über mehrere Jahre milden Verlauf sprechen könnten, nicht die ganz große Keule aggressiver Behandlung herausgeholt werden muss, die Therapie nun ruhig und besonnen geplant wird, mit überschaubaren Nebenwirkungen, noch viel Platz im Alltag für gemeinsame Stunden in Vitalität und Freude, war ein Segen in allem Dunkel. Ein disziplinierter Mensch wie ich, der selbst schon mehrmals dem Jenseits näher war als dem Hier und Jetzt, hat in den vergangenen sieben Tagen wohl mehr geheult als in 40 Jahren zusammen. Es gibt keinen Zweifel: Sie hat mit mir die tiefsten Täler psychischer und körperlicher Existenz beschritten. Nun gehe ich mit ihr durch diesen Tunnel. Am Ende ist ein helles Licht. Jeder mag es interpretieren, wie er will. Mir würde vollkommen genügen, wenn uns allzu viel zusätzliches Leid erspart würde. #Gesundheit #Hoffnung #Familie