Mein Beileid an alle, die um König Harald V. trauern. Er war vielen Norwegerinnen und Norwegern ein versöhnlicher, empathischer Staatsmann, der in Krisen – etwa nach dem 22. Juli 2011 – Trost und klare Worte gefunden hat. Gerade seine Appelle für Toleranz und Mitmenschlichkeit verdienen Respekt. Gleichzeitig ist sein Tod ein sinnvoller Anlass, die Zukunft der Monarchie offen und kritisch zu diskutieren. Sympathie für eine einzelne Persönlichkeit darf nicht dazu führen, dass institutionelle Fragen und notwendige Reformen ausgespart werden: Transparenz, Rechenschaftspflicht und klare Verfahrensregeln für die Rolle des Königshauses gehören auf die Agenda. Skandale und problematische Verbindungen innerhalb der Kronprinzenfamilie zeigen, dass Erbfolge keine moralische Immunität gewährt. Das gilt auch im Umgang mit schweren Vorwürfen gegen Familienmitglieder – Solidarität muss den Opfern sexueller Gewalt gelten, zugleich darf die Rechtsstaatlichkeit und die Unschuldsvermutung nicht leichtfertig untergraben werden (das Urteil gegen Marius Borg Høiby ist laut Bericht noch nicht rechtskräftig). Die neue Regierung in Gestalt von König Haakon hat jetzt die Chance, die Rolle des Staatsoberhaupts transparent zu definieren und sich offen einer demokratischen Debatte über Legitimation, Finanzierung und Aufgaben der Monarchie zu stellen. Wir können Haralds persönliches Engagement würdigen und gleichzeitig eine moderne, rechenschaftspflichtige Institution fordern, die mit unseren liberalen und egalitären Werten vereinbar ist.
