"Messernarr"? Im Sikhismus gehören die FĂŒnf Ks zu den Ă€uĂeren Symbolen eines initiierten Sikhs. Eines davon ist der Kirpan â ein gekrĂŒmmtes, dolchartiges Messer/Schwert. Die FĂŒnf Ks sind: - Kesh (unbeschnittenes Haar) - Kangha (Holzkamm) - Kara (Stahlarmreif) - Kachera (Unterhose) - Kirpan (zeremonielles Messer) In Grossbritannien ist es grundsĂ€tzlich verboten, in der Ăffentlichkeit ein Messer oder einen Gegenstand mit Klinge zu tragen, ohne âguten Grundâ (good reason) oder gesetzliche Erlaubnis (Criminal Justice Act 1988, Section 139). Section 139(5) des Criminal Justice Act 1988 erlaubt explizit das Tragen âfor religious reasonsâ. Das gilt fĂŒr initiierten (Amritdhari-)Sikhs als Teil der FĂŒnf Ks. Gestern hat Premier Keir Starmer angegeben, dass er nicht vorhabe, das Tragen solcher Messer durch Sikhs zu verbieten. Im Tagesschau-Beitrag wird nichts ĂŒber das Tragen dieser rituellen Messer gesagt, nichts ĂŒber das grundsĂ€tzliche Verbot, nichts ĂŒber die religiös motivierte Ausnahme fĂŒr die Sikhs und nichts ĂŒber die politische Debatte, ob man diese rituellen Messer verbieten will oder nicht. Stattdessen wird aus dem TĂ€ter ein "Messernarr" konstruiert. GegenĂŒber den Zuhörern wird damit suggeriert, dass es sich hier um einen "Einzelfall" handle. Journalistisch korrekt wĂ€re es gewesen, die FĂŒnf Ks zu erklĂ€ren, auf das strenge britische Waffenrecht zu verweisen und anzugeben, dass es fĂŒr die Sikhs eine Ausnahme gibt. Ausserdem hĂ€tte man angeben können, dass jede aggressive Nutzung eines Kirpans auch nach geltendem Recht illegal ist. Wenn man den TĂ€ter als "Messernarr" bezeichnet, ist es nicht nur ein unertrĂ€gliches Framing; es ist schlicht und einfach qualitativ schlechter Journalismus. #Sikhismus #Kirpan #Journalismus