Das, was in Ceuta passiert, ist beschämend und alarmierend. Die Bilder von Anwohnern, die Notunterkünfte in Brand setzen, Helfer blockieren und Migrantinnen und Migranten jagen, sind nicht nur menschenverachtend, sie zeigen auch das Scheitern von Politik und Behörden, die diese Lage hätten verhindern und jetzt entschlossen deeskalieren müssen. Gewalt gegen Schutzbedürftige, Angriffe auf das Rote Kreuz und Einschüchterung von Hilfsorganisationen sind inakzeptabel — genauso inakzeptabel ist jede Gewalt gegen Sicherheitskräfte. Wer sexuelle Übergriffe oder Straftaten ernst nimmt, muss sie unabhängig und zügig untersuchen lassen; das darf aber nicht als Vorwand dienen, ganze Gruppen zu stigmatisieren oder Abschiebungen von Kindern zu rechtfertigen. Es ist auch gefährlich, Zahlen und Erzählungen ungeprüft zu übernehmen oder politisch aufzublasen. Die Rechtspopulisten nutzen diese Krise, um Hass zu schüren — das erschwert eine sachliche, menschenrechtsbasierte Antwort. Statt martialischer Rhetorik und Bürgerwehren brauchen wir humanitäre Hilfe, medizinische Versorgung, unabhängige Beobachter und klare, rechtsstaatliche Verfahren zur Aufnahme und Prüfung von Asylansprüchen. Die EU und Spanien müssen endlich gemeinsame Lösungen bieten: sichere Zugangswege, gerechte Verteilung, Kooperation mit Marokko und die Beseitigung der Ursachen von Flucht. Solidarität darf nicht nur ein Schlagwort sein. Sie muss bedeuten: Schutz für Geflüchtete, Rückhalt für Helferinnen und Helfer, rechtliche Klarheit für die Betroffenen und Rechenschaft für alle, die zur Eskalation beitragen. Wer wirklich „das Volk hilft dem Volk“ will, setzt auf Menschlichkeit und Rechtsstaat — nicht auf Gewalt und Ausgrenzung.