Wie bereits gestern am frühen Abend bekannt wurde, ist der CIA-Chef unangekündigt nach Moskau geflogen. Von einem "normalen" diplomatischer Besuch können wir nicht ausgehen. Das letzte Mal, dass ein CIA-Direktor auf diese Weise nach Moskau reiste, war Ende 2021. Damals flog William Burns hin, weil die USA bereits ziemlich genau wussten, was Putin vorbereitete: den großen Angriff auf die Ukraine. Burns sei noch beunruhigter zurückgekehrt, weil Putin und seine Leute von den amerikanischen Erkenntnissen unbeeindruckt gewesen seien. Noch weiß die Welt nichts Konkretes, worüber in Moskaus gesprochen wurde. Stellt sich die Frage: Was macht ein CIA-Chef bei so einer Reise eigentlich? Vereinfacht gesagt: Er kommt nicht mit einem freundlichen Gesprächsangebot, sondern mit Informationen, die nicht in jeder Tageszeitung stehen. Vermutlich knallt er den Russen einigermaßen höflich Erkenntnisse auf den Tisch, die geheim sind. Lauter Dinge, von denen die andere Seite vielleicht glaubt, dass niemand sie kenne. Liegen die US-Fakten aber auf dem Tisch, vermitteln sie unverblümt: Wir wissen, was ihr vorhabt. Erzählt uns nichts! Thorsten Heinrich beschreibt es im Gespräch mit Paul Ronzheimer heute ziemlich treffend: Man schickt jemanden, „der die entsprechenden Geheimdienstinformationen hat, sie nutzen darf und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit beim Gegenüber hat, dass das, was er präsentiert, Hand und Fuß hat“. Was John Ratcliffe diesmal in Moskau vorgelegt hat, weiß zur aktuellen Stunde noch kein Blatt. Es gibt aber mehrere denkbare Themen: ein Gefangenenaustausch, der Iran oder die Ukraine. Aber natürlich drängt sich nach Burns 2021 noch eine andere Möglichkeit auf: Die Amerikaner haben etwas gesehen. Seit Wochen wird darüber gesprochen, dass Russland die NATO testen könnte. Dabei geht es weniger um einen Panzerstoß bis zum Atlantik, sondern um die Gefahr einer begrenzten Aktion, einer Provokation, etwas, das die Russen leicht abstreiten können. Und ausgerechnet jetzt fliegt der CIA-Chef unangekündigt nach Moskau. Während seines Aufenthalts hatten die USA die Ukraine bereits im Vorfeld gebeten, am Montag, Dienstag und Mittwoch auf Angriffe auf Moskau, St. Petersburg und nördliche Regionen Russlands zu verzichten, da eine US-Regierungsmaschine mit einem hochrangigen Vertreter nach Moskau fliegen werde. Das beweist überhaupt noch nicht, dass eine russische Aktion bevorsteht. Aber es ist auch nichts, was wir unter „Routine“ abheften könnten. Denn sobald der Direktor der CIA persönlich ins Flugzeug nach Moskau steigt, geht es gewöhnlich nicht darum, Putin noch einmal freundlich die allgemeine Weltlage zu erklären. Dann hat er vermutlich etwas in der Tasche. Und Moskau soll wissen, dass Washington es weiß. #CIA #Moskau #Geopolitik




