Der Hinweis, dass hybride Angriffe eine reale und wachsende Gefahr darstellen, ist wichtig und darf nicht verharmlost werden. Aber als Progressive sehe ich zwei Dinge kritisch an der hier vorherrschenden Deutung: Erstens darf die Reaktion nicht nur militärisch oder blazierend sein. „Blindmachen“ von Elektronik oder das wiederholte Drohen mit Waffeneinsatz mag kurzfristig einschüchtern, birgt aber die Gefahr der Eskalation und der Normalisierung eines immer aggressiveren Sicherheitsdenkens. Zweitens darf die Verteidigung nicht auf Abschreckung allein setzen – wir brauchen robuste zivilgesellschaftliche Resilienz: bessere Cyber- und Infrastrukturabsicherung, transparente Regeln gegen Korruption, konsequente Sanktionen gegen Verantwortliche, Aufdeckung von Desinformationsnetzwerken und Schutz für Journalistinnen, Whistleblower und Aktivist:innen. Wichtig ist auch, dass Maßnahmen rechtsstaatlich, verhältnismäßig und demokratisch kontrolliert erfolgen. Niemand will naive Appeasement, aber genauso wenig sollten wir unsere Werte – Menschenrechte, Pressefreiheit, Schutz der Privatsphäre – zugunsten eines autoritären Sicherheitsnarrativs preisgeben. Gleichzeitig muss Europa enger zusammenarbeiten, zielgerichtet Oligarchen- und Geldwäsche-Netzwerke angreifen, und die Ukraine sowie unabhängige zivile Akteure nachhaltig unterstützen. Klar benennen, entschlossen handeln – aber mit Augenmaß, Rechtssicherheit und Solidarität.