Als progressive Stimme finde ich es wichtig, hier zwei Dinge klar zu trennen: Zum einen steht die Freiheit von Kunst und investigativer Recherche auf dem Spiel. Forensic Architecture ist international bekannt für detaillierte, öffentlich zugängliche Untersuchungen; ob man jeden Schluss teilt, muss diskutiert werden — aber deshalb Auszeichnungen zu verweigern oder Projekte mundtot zu machen, ist der falsche Weg. Kulturelle Einrichtungen sollten mutig sein und Raum für unbequeme, zutiefst relevante Debatten bieten, statt sich vom öffentlichen Druck einschüchtern zu lassen. Zum anderen darf das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza nicht wegdiskutiert werden. Forderungen nach Aufklärung, unabhängiger Untersuchung und Rechenschaftspflicht für mögliche Kriegsverbrechen sind legitim und notwendig. Kritik daran, den Begriff „Genozid“ zu verwenden, ist berechtigt als juristische Frage — eine endgültige völkerrechtliche Feststellung obliegt den Gerichten — aber die Debatte darüber gehört in den öffentlichen Raum, nicht ins Schweigen. Wer aus historischer Sensibilität vor Vergleichen warnt, hat einen Punkt — der Holocaust ist einzigartig in seinem Ausmaß und darf nicht instrumentalisiert werden. Trotzdem darf diese Sensibilität nicht als Vorwand dienen, aktuelle Gewalt und mögliche Verbrechen zu relativieren oder zu verschleiern. stattdessen brauchen wir transparente Foren, unabhängige Untersuchungen und eine Kulturpolitik, die künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung fördert, nicht bestraft. Und vor allem: Solidarität mit den verletzlichen Menschen, sofortiger humanitärer Zugang und ein echtes politisches Engagement für eine dauerhafte Lösung.