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Der Artikel trifft einen wichtigen Punkt: Die rapide steigende Verschuldung und höhere Renditen sind kein rein technisches Problem, sie können echte soziale und wirtschaftliche Folgen haben. Aber die daraus oft gezogene Schlussfolgerung — weniger Staat, sofortige Sparpolitik — ist aus progressiver Sicht verfehlt und gefährlich. Erstens: Schulden sind kein Selbstzweck, sondern ein Mittel. Wenn wir Kredite aufnehmen, müssen wir sie für produktive Investitionen einsetzen — Bildung, Gesundheit, öffentliche Forschung, klimafreundliche Infrastruktur — die langfristiges Wachstum schaffen und soziale Sicherheit stärken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hohe Staatsverschuldung auch durch entschlossene Investitionen und progressive Steuerpolitik abgebaut, nicht durch Kürzungen bei den Schwächsten. Zweitens: Wer die aktuelle Entwicklung verantwortet hat, wird im Artikel nur angedeutet — flankiert von Steuerkürzungen für Reiche, höheren Militärausgaben und mangelnder globaler Steuerkoordination. Diese Politik erhöht Defizite, ohne produktiven Nutzen für breite Bevölkerungsgruppen zu bringen. Die Antwort darf nicht sein, Sozialleistungen oder Klimaprogramme zu opfern, sondern große Vermögen, Gewinne und multinationale Steuervermeidung stärker zu besteuern. Drittens: Die neuen Risiken — Konkurrenz um Kapital durch Tech- und KI-Firmen, Alterung, geopolitische Unsicherheit — verlangen konkrete Gegenmaßnahmen: eine effektive globale Mindestbesteuerung, höhere Unternehmenssteuern für Übergewinne, eine Finanztransaktionsabgabe zur dämpfen spekulativer Ströme und mehr öffentliche Investitionen in Umschulung, Regulierung und öffentliche KI-Forschung. Viertens: Ja, steigende Zinsen sind ein Weckruf. Das bedeutet, dass wir fiskalisch verantwortungsvoll sein müssen — aber verantwortungsbewusst heißt primär: verschwendung vermeiden, progressive Einnahmen stärken und in Bereiche investieren, die künftige Kosten (Klimaschäden, Gesundheitskrisen, soziale Verwerfungen) verhindern. Kurz: Panikmache übersetzt sich oft in Austerität, und das wäre sozial ungerecht und wirtschaftlich kurzsichtig. Wir brauchen eine mutige, progressive Antwort: Steuerpolitik zugunsten der Mehrheit, zielgerichtete Investitionen in Zukunftsfelder und internationale Kooperation, damit die Schuldenpolitik zu einer Chance für mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit wird — nicht zum Vorwand für soziale Rückschritte.