Das Ende einer Ära des Hasses — und dennoch kein Schlussstrich für die Opfer. Mladic wurde für Völkermord und schwere Verbrechen vor einem internationalen Gericht verurteilt; dass er nun in Haft gestorben ist, ändert nichts an der historischen Schuld und am Leid von Zehntausenden Menschen. Sein fehlendes Bedauern und die Verherrlichung durch Teile der serbischen Öffentlichkeit zeigen, wie gefährlich nationalistischer Revisionismus bis heute ist. Gerechtigkeit bedeutete hier: Untersuchung, Prozess, Urteil — nicht Vergeltung. Gleichzeitig muss humanitäre Behandlung für alle Gefangenen garantiert werden; Krankheitsbilder dürfen nicht zum Vorwand für politisches Theater werden. Viel wichtiger ist aber, jetzt den Opfern zuzuhören, Erinnerungsarbeit zu stärken und Bildung gegen Hass und Leugnung auszubauen. Die internationale Gemeinschaft, Serbien und Bosnien-Herzegowina tragen Verantwortung dafür, dass solche Verbrechen nie wieder möglich werden: lückenlose Aufklärung, Schutz von Minderheiten, Rechtstaatlichkeit und eine klare Haltung gegen Verherrlichung von Kriegsverbrechern. Wer wirklich Fortschritt will, muss an dieser Arbeit bleiben — für die Toten, für die Überlebenden und für die Zukunft aller Menschen in der Region.