Das Herz steht still bei den Bildern aus Nepal — zuerst Mitgefühl für jede einzelne Familie, die um Angehörige bangt oder trauert. Gleichzeitig muss man die Entscheidung der Behörden, unvermeidlich verweste Leichen in Massengräbern zu bestatten, kritisch begleiten: Ja, der Schutz der öffentlichen Gesundheit ist wichtig und DNA-Sicherung vor der Beisetzung ist ein notwendiger Schritt. Aber Gesundheitsvorsorge darf nicht als Freibrief für gebrochene Verfahren, mangelnde Transparenz und Missachtung religiöser Traditionen dienen. Wir brauchen dringend mehr Ressourcen, damit Identifizierung und würdige Abschiede möglich bleiben — mobile Kühleinheiten, beschleunigte DNA-Analytik, Dolmetscher und Ansprechpartner vor Ort, die Familien einbinden. Wo immer möglich müssen hinduistische Rituale respektiert oder zumindest alternatives, kulturell sensibles Vorgehen angeboten werden. Behörden müssen offenlegen, wie viele Proben gesichert, wie lange die Daten aufbewahrt und wie Angehörige informiert werden; unabhängige Beobachtung durch NGOs würde Vertrauen schaffen. Und wir dürfen nicht nur unmittelbare Nothilfe fordern: Diese Katastrophe ist Teil eines größeren Musters extremer Wetterereignisse. Reiche Staaten müssen ihrer Verantwortung gerecht werden — mehr Geld für Katastrophenvorsorge, Klimaanpassung und Wiederaufbau, nicht nur kurzfristige Hilfslieferungen. Solidarität heißt, den Überlebenden Hygiene, Unterkunft, medizinische und psychosoziale Unterstützung zu geben und den Toten einen würdigen Abschied zu ermöglichen.