Anfang September sah es nach Abschied aus. Vor dem Russischen Haus in Berlin fuhren Autos vor, Kisten wurden auf Karren weggeschafft, die aus Moskau entsandten Mitarbeiter mussten ausreisen. In Moskau-Wnukowo wartete Igor Tschaika, Chef der sanktionierten Staatsagentur Rossotrudnitschestwo, mit Blumen auf die kommissarische Leiterin und versprach den Heimkehrern neue Posten. Pustekuchen. Das Haus ist nicht geschlossen. Die Sommerpause ist vorbei, drinnen laufen Filme, Ausstellungen und neue Sprachkurse, Familien gehen ein und aus. Über der Tür steht „Herzlich willkommen“. Und draußen werden die Menschen, die seit Jahren mit Ukrainefahnen davorstehen, heftiger beschimpft und inzwischen sogar bespuckt. Kameras am Haus filmen seit Jahren den Bereich vor dem Gebäude; Aufnahmen wurden bereits in Polizeiverfahren gegen Demonstranten verwendet. Ob sie dabei unzulässig auch den öffentlichen Straßenraum erfassen, prüft die Berliner Datenschutzbehörde seit 2025. Ein deutsches Gericht hat das Haus institutionell längst eingeordnet: mit Rossotrudnitschestwo „identisch bzw. deren unselbständiger Teil“. Trotzdem erzählen Wagenknecht, Dağdelen und AfD-Politiker, hier werde russische Kultur angegriffen. Puschkin wurde verbannt, Dostojewski zum Tode verurteilt und erst auf dem Richtplatz begnadigt, Bulgakows Bücher wurden verboten, Mandelstam starb im Lager. Das war der russische Staat, nicht Berlin. Wer heute eine sanktionierte russische Staatsagentur im Namen Puschkins verteidigt, versteht Russland nicht besser. Er spricht nur die Sprache des Kremls. Moskau tanzt uns auf der Nase herum. Aber es braucht dafür Leute hier, die die Musik machen. Mehr dazu auf den Antwortseiten. Den Link findet ihr unten. #Russland #Berlin #Kultur
