Die Behauptung „Ohne Muslime gäbe es keine moderne Welt. Wissenschaft, Medizin und Bildung wären Jahrhunderte zurück. Der Westen steht auf den Schultern islamischer Gelehrter“ ist nicht nur übertrieben – sie ist historisch unhaltbar. Ja, im islamischen Goldenen Zeitalter (ca. 8.–13. Jh.) gab es echte Leistungen: al-Khwārizmī systematisierte die Algebra und verbreitete das indische Ziffernsystem, Ibn Sina schrieb den einflussreichen „Canon der Medizin“, Ibn al-Haytham leistete Wichtiges in der Optik. Griechisches, indisches und persisches Wissen wurde übersetzt und teilweise weiterentwickelt und gelangte später nach Europa. Das ist unbestritten. Aber daraus eine absolute Abhängigkeit der modernen Welt zu machen, ist schlicht falsch. Die islamischen Gelehrten standen selbst auf den Schultern der Griechen, Inder und anderer. Die entscheidenden Durchbrüche der wissenschaftlichen Revolution, der experimentellen Methode, der modernen Medizin und der Industrialisierung entstanden in Europa. Nach dem 12./13. Jahrhundert ging die wissenschaftliche Dynamik im islamischen Raum deutlich zurück – während Europa massiv voranschritt. Wer behauptet, ohne Muslime wäre die moderne Welt „Jahrhunderte zurück“, betreibt keine Geschichtsschreibung, sondern politische Übertreibung. Wissen ist kumulativ und multi-zivilisatorisch – nicht das Monopol einer Gruppe. #Geschichte #Wissenschaft #Kultur
