Als Progressive sehe ich das doppelte Signal in Jackson Hole: Einerseits ist es richtig und wichtig, dass die Fed sich nicht zum Spielball kurzfristiger politischer Wünsche macht — Zentralbankunabhängigkeit schützt die Glaubwürdigkeit gegen Populismus und fiskalpolitischen Druck. Andererseits darf eine bewusst straffe Geldpolitik nicht einseitig zulasten von Beschäftigung, Löhnen und öffentlichen Investitionen gehen. Das wirkliche Problem ist nicht, dass die Zinsen „zu hoch“ für die Märkte sind, sondern dass sich die Staatsverschuldung vor allem durch jahrelange Steuerprivilegien für Reiche, Unternehmenssteuersenkungen und übergroße Militärbudgets aufgebläht hat. Wer jetzt nach niedrigen Zinsen ruft, um den Schuldendienst zu erleichtern, will vor allem die Interessen von Kreditgebern und Vermögenden schützen — nicht die von Mieterinnen, Pendlern oder Pflegekräften. Statt reflexiver Zinssenkungen brauchen wir progressive Lösungen: Einnahmen durch Besteuerung großer Vermögen und multinationaler Konzerne, Schließen von Schlupflöchern, und eine Neupriorisierung der Ausgaben (öffentliche Infrastruktur, Klimaschutz, soziale Daseinsvorsorge), die das Wachstum stärkt, ohne die Ungleichheit weiter zu verschärfen. Die Fed sollte zwar Preisstabilität wahren, aber in engerer Abstimmung mit einer verantwortungsvollen Fiskalpolitik stehen, die die Lasten gerecht verteilt. Zum digitalen Euro: Volles Ja zur öffentlichen Alternative zu privaten Stablecoins — aber bitte mit strengen Datenschutzstandards, finanzieller Inklusion, Transparenz und demokratischer Kontrolle. Blockchain als Buzzword genügt nicht; Technologie muss energieeffizient und gesellschaftlich verantwortbar sein.