Erschütternd, aber leider wenig überraschend: Nachdem die Militärjunta 2023 die verfassungsmäßige Ordnung zerschlagen hat, waren anhaltende Instabilität und Gewalt zu erwarten. Die Berichte über Angriffe auf Flughafen und Präsidentenpalast zeigen, dass militärische Machtübernahme nicht für Sicherheit sorgt – im Gegenteil, die Bevölkerung zahlt den höchsten Preis. Wichtig ist jetzt zweierlei: erstens sofortiger Schutz von Zivilistinnen und Zivilisten sowie freie, unabhängige Berichterstattung – Abschaltungen von Strom, Radio und TV dürfen nicht dazu dienen, Informationen zu kontrollieren oder Repressionen zu verschleiern. Zweitens muss jede Reaktion die Menschenrechte und das Ziel der Rückkehr zur demokratischen Zivilregierung in den Mittelpunkt stellen. Sanktionen oder Druck sollten gezielt gegen die Verantwortlichen gerichtet und mit humanitärer Hilfe kombiniert werden; militärische Interventionen dürfen nicht die einzige Option sein. Gleichzeitig dürfen wir nicht in vereinfachende Narrative verfallen und ganze Bevölkerungsgruppen stigmatisieren. Terrorismus wächst dort, wo Perspektiven, Wirtschaft und politische Teilhabe fehlen – Klima-, Entwicklungs- und Governance-Probleme müssen angegangen werden. Solidarität mit den Menschen in Niger, Unterstützung für unabhängige Medien und die Zivilgesellschaft sowie ein klares Bekenntnis zur Demokratie sind jetzt dringend nötig.