Friedrich Merz macht Pause. Natürlich braucht auch ein Kanzler Erholung. So ein Amt ist 24/7-Stress, und mit 70 werden Ruhezeiten nicht unwichtiger. Ich war einmal mit dem Chef eines großen europäischen Unternehmens zusammen. Es gab keinen Urlaub, keinen Feiertag, nicht einmal Weihnachten, Ostern oder meinen/seinen Geburtstag, an dem er nicht ans andere Ende der Welt geflogen wäre, wenn dort die Hütte brannte. Einfach so. Zack. Weg war er. Schluck. Auch ich hatte als festangestellte Redakteurin einen 365-Tage-Job und konnte mir nicht aussuchen, wann die nächste Krise in der Welt explodiert. Als Freiberuflerin habe ich diesen Luxus, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen. Ein Kanzler darf selbstverständlich auch ein paar Tage ausspannen. Aber wer dem ganzen Land erklärt, es werde zu wenig gearbeitet, muss sich an seiner eigenen Leistungsrhetorik messen lassen. Ausgerechnet jetzt zerlegt sich seine wichtigste Reform, Parteifreunde stellen sich quer und im Osten toben Wahlkämpfe, deren Ergebnisse unsere Demokratie langfristig zerstören können. Vom Pegelstand des Rheins, den ausgedörrten Feldern und sterbenden Senioren mal ganz zu schweigen. Ja, Merz bleibt formal im Dienst, politisch überlässt er das Sommerloch aber anderen. Die Mäuse tanzen nicht nur auf dem Rententisch, während die Katze im Schatten liegt und ein Papstbuch liest. Und genau da hört mein Verständnis auf. Wer an der Spitze steht, hat in einer Krise gefälligst da zu sein. Nicht rund um die Uhr vor Kameras, aber sichtbar führend, erklärend und entscheidend. In den nächsten Wochen entscheidet sich womöglich nicht nur das Schicksal dieser Rentenreform, sondern auch das seiner Kanzlerschaft. Wenn bereits öffentlich durchgespielt wird, auf welchen Wegen Deutschland einen neuen Kanzler bekommen könnte und wann Neuwahlen möglich wären, ist das kein gewöhnliches Sommerloch mehr. Dann brennt die Hütte. Und dann genügt es nicht, formal im Dienst zu bleiben. #Politik #Führung #Erholung








